„Damit der Staat die notwendigen Zukunftsinvestitionen tätigen kann, müssen wir die Verschuldung abbauen und einen langfristig ausgeglichenen Haushalt erreichen.“
So die Haltung der GRÜNEN zum Bundeshaushalt, die auch für den kommunalen Haushalt gelten muss.
Unter diesem Aspekt ist unser einer guten Tradition folgende Jahresrückblick über die Arbeit der Fraktion von Bündnis 90 / Die GRÜNEN im Gemeinderat gestaltet. Dabei schauen wir an, was Wunsch ist und wie die Wirklichkeit aussieht.
Gerne kommen wir darüber ins Gespräch!
Wir, die Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN setzen uns dafür ein, dass bei der Aufstellung des städtischen Haushaltsplanes die Anregungen und die Kritik der Bürgerinnen und Bürger ernst genommen werden. Bei der Entscheidung über Investitionen müssen die Nutzer einbezogen werden. Kriterien müssen Generationengerechtigkeit und Zukunftsorientierung sein.
Die Stadt Ludwigsburg gibt mehr aus als sie einnimmt. Der städtische Haushalt ist 2011, wie auch schon 2010, geprägt durch verminderte Einnahmen. Die Mehrheit des Gemeinderates hat entschieden, diese durch den Griff in die Rücklagen auszugleichen. Das für Zukunftsinvestitionen notwendige Geld- und Grundstücksvermögen wird aufgelöst.
Wir, die Gemeinderatsfraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN haben beantragt, im jetzigen Wirtschaftsaufschwung Gemeindesteuern wie die Gewerbesteuer zu erhöhen und beim Geld ausgeben zurückhaltender zu sein. Leider haben die anderen großen Fraktionen, sowie die FDP dagegen gestimmt.
Gespart wird trotzdem. Zuschüsse werden gekürzt, die einzelnen Budgets geringer ausgestattet, der Ausbau wird in vielen Bereichen verlangsamt.
Aus dem Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales (BSS)
Der Verzicht auf Investitionen wird von uns Bündnis 90 / Die GRÜNEN im Bereich der Kinderbetreuung, insbesondere der unter drei – Jährigen, sehr kritisch gesehen. Es ist absehbar, dass die für 2013 vorgesehene Ausbauquote von 34 % nicht erreicht wird. Derzeit haben 15,2 % der Kinder unter 3 Jahren eine qualifizierte Betreuung. Werden die Tagespflege – Plätze einbezogen, sind es 20,3 %. Tagesmütter können, wenn die Voraussetzungen stimmen, die Unterbringung sichern. In Hinblick auf die Stärkung der frühkindlichen Bildung jedoch muss der Ausbau der U-3-Betreuung vorangetrieben werden. In Kindertageseinrichtungen stellen pädagogische Fachkräfte und vielfältige Interaktionsmöglichkeiten die sprachliche Entwicklung und soziale Integration sicher. Im Jahr 2010 wurden in den Stadtteilen Pflugfelden, Eglosheim und der Stadtmitte insgesamt 40 Plätze eingerichtet. 2011 sollen in der Oststadt, Eglosheim und Ossweil 60 Plätze folgen. Für zwei weitere Einrichtungen in der Weststadt und der Stadtmitte muss der Ausbau noch beschlossen werden.
Für die 3- bis 6- jährigen Kinder wird auf die Gesamtstadt gesehen der Rechtsanspruch erfüllt. Allerdings fehlen in Hoheneck, Ossweil und Poppenweiler noch Plätze. Hier einen Ausgleich zu schaffen wird die Aufgabe in diesem Jahr sein.
Wir, die Fraktion der Bündnis 90 / Die GRÜNEN werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass der begonnene Prozess der Entwicklung der Kindertagesstätten hin zu Kinder- und Familienzentren fortgesetzt wird. Seit Beginn im Jahr 2008 wurden 9 solche Zentren eingerichtet. Das Konzept der Öffnung zum Sozialraum, das Angebot an früher Hilfe bei Entwicklungs- und Erziehungsfragen und die Möglichkeit, die Einrichtung als Treffpunkt zu nutzen, wird von den Eltern gut angenommen. Wie dieses Konzept ohne weitere finanzielle Unterstützung, die nach einer 3-jährigen Anschubphase ausläuft, gelingen kann wird die Praxis zeigen. Wir werden einen größeren Finanzierungsbedarf, auch bzgl. der Entlastung der Leitungskräfte für die konzeptionelle Arbeit, unterstützen.
Die Stadtverwaltung hat den Vorschlag gemacht, und die Mehrheit des Gemeinderats hat dies so beschlossen, die Finanzierung durch „matching-fonds“ zu sichern. Die Einrichtungen sind aufgefordert, Sponsorengelder einzuwerben, die jeweils in gleicher Höhe durch die Kommune aufgestockt werden. Damit wird die Verstetigung der Arbeit nicht erreicht. Daher haben wir dieses Konzept abgelehnt.
Über die Kindergartenzeit hinaus sind berufstätige Eltern auf ein gutes Betreuungsangebot und damit auf Hortplätze angewiesen. Die erhöhte Nachfrage nach Kernzeitbetreuung zeigt den Bedarf auf. Die Einrichtung von Ganztagesschulen würde die Betreuung, gleichzeitig die Chancengleichheit für Kinder aus unterschiedlichem sozialen Umfeld sichern. Während die Kernzeitenbetreuung zu einem großen Teil durch die Eltern finanziert wird, müsste die Ganztagesschule als Bildungsangebot kostenfrei sein. Derzeit werden für die diversen außerschulischen Angebote der Betreuung noch Elterngebühren erhoben. Hier ist die Stadt aufgefordert, gegenüber dem Land Baden-Württemberg, das sich als Kinder- und Bildungsland darstellt, entsprechende Forderungen nach besserer finanzieller Ausstattung zu formulieren.
Dem Bild mangelnder Unterstützung durch das das Land Baden-Württemberg entspricht, dass die Ausstattung der Ganztagesschulen mit Lehrerstunden reduziert wurde, was die schulische Arbeit im Ganztagesbetrieb und den weiteren Ausbau von Ganztagesschulen enorm erschwert. Dies wäre aber Voraussetzung dafür, Hortplätze an Schulen zu verlagern und Räume für die Betreuung jüngerer Kinder frei zu machen.
Mit großem Finanz und Arbeits- Aufwand setzt die Stadt Ludwigsburg den Schulentwicklungsplan zur räumlichen Umstrukturierung der Schullandschaft um. Damit müssen inhaltlich – pädagogische Veränderungen einhergehen.
Ein für uns Bündnis 90 / Die GRÜNEN wichtiger Aspekt ist hierbei die Essensversorgung in Schulen und Kindertagesstätten. Frische und gesunde Zutaten aus biologischem Anbau müssen der Qualitätsstandard sein. Aus Kostengründen wird dieser nicht umgesetzt. Der Kostendeckungsfaktor wurde auch angeführt, um die Preise für das Mittagessen in der Kita zu erhöhen. Eltern, deren Kind mehr als 6 Stunden betreut wird, sind gezwungen, einen täglichen Essenspreis von 3 Euro zu bezahlen. Damit werden indirekt die Kindergartengebühren erhöht. Als „Sparen am falschen Fleck“ haben wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN dies abgelehnt. Zumal dieser Kostendeckungsfaktor für das Essen städtischer Mitarbeiter nicht erreicht wird. Wenigstens gibt es für Familien mit geringem Einkommen die Möglichkeit, ihre Kinder ohne großen bürokratischen Aufwand mit subventioniertem Essen zu versorgen.
Als Unterstützung für die schulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird die Verlagerung der Mitarbeiter/-innen der Jugendförderung verstanden. Die Sozialpädagogen sollen zukünftig statt in den Jugendtreffs der Stadtteile in Einrichtungen eingesetzt werden, die in der unmittelbaren Umgebung der Schulen liegen. Wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN halten dies für eine sinnvolle Maßnahme, so lange sie nicht die bestehende Infrastruktur in den Stadtteilen zerstört, wie dies insbesondere in Poppenweiler und Neckarweihingen der Fall wäre.
Dem Sparzwang sollte nach den Vorstellungen der Verwaltungsspitze die Bücherei im Schlösslesfeld, die als Zweigstelle der Stadtbücherei geführt wird, zum Opfer fallen. Zahlreiche engagierte Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil haben sich zu einem Förderverein zusammen gefunden, der mit großem Einsatz die Grundlagen geschaffen hat, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Dieses Engagement unterstützen wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN. Gemeinsam mit den anderen Fraktionen konnten wir die Schließung verhindern. Ein weiteres Problem ist, dass die an der Schlösslesfeldschule für die Bücherei genutzten Räume künftig für Betreuungszwecke an der Schule benötigt werden. Wir wollen, dass die Bücherei – mit viel Engagement geführt - erhalten bleibt. Die Raumfragen müssen im Gespräch zwischen Verwaltung, Schule und Förderverein einvernehmlich geklärt werden.
Den Sparzwang bekommen auch die bereits seit 30 Jahren bestehenden vier Abenteuerspielplätze in der Stadt zu spüren. Wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN sehen, dass die Angebote nicht allein ehrenamtlich zu leisten sind. Pädagogisches Fachpersonal muss die Organisation dieser Einrichtungen übernehmen. Dies setzt eine zuverlässige Finanzierung voraus. Die Stadt sollte eine stärkere Vernetzung mit Kindergärten und Schule anregen und entsprechend honorieren. Ein Beispiel hierfür könnte die Einrichtung eines „Grünen Klassenzimmers“ sein.
Durch die Arbeit am Sportentwicklungsplan der Stadt wurde deutlich, dass die so genannten Migranten - Vereine in den Stadtverband für Sport aufgenommen werden mussten. Auf unsere Anregung hin hat sich der Vorsitzende des Stadtverbandes hierfür eingesetzt. Öffentlich wurde auch, dass mehrere Sporthallen für Vereine und Schulen auf der Agenda der Renovierung oder gar des Neubaus stehen. Angesichts des Spardrucks ist die Umsetzung noch nicht absehbar
Unter finanziellen Aspekten steht derzeit der Betrieb der Arena im Mittelpunkt. Es ist zu hoffen, dass sich einerseits die Stadt Ludwigsburg tatsächlich zur Sportstadt und sich andererseits der Wirtschaftsbetrieb EnBW Basketball gut entwickelt. Dies sollte sich in der Ausstattung der bisher nicht vermieteten Logen und deren Vermarktung zeigen.
Aus dem Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung (WKV)
Viel Geld verdienen lässt sich offensichtlich mit dem Eigentum der Stromnetze. Anders ist das Interesse der großen Energieunternehmen an den Stromnetzkonzessionen der Stadt Ludwigsburg nicht zu erklären. Bündnis 90 / Die GRÜNEN Ludwigsburg haben im vergangenen Jahr zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeistern von Ludwigsburg, Kornwestheim, Fellbach und Tübingen veranstaltet. Die sehr gut besuchte Veranstaltung zeigte, dass viele gute Gründe dafür sprechen, Stromnetze in die Hände von Stadtwerken zu geben und nicht den Atomkonzernen EnBW und RWE (mit Tochter Süwag) zu überlassen. Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Spec musste bei der Veranstaltung erleben, dass das von ihm unterstützte Projekt einer Netzgesellschaft aus Neckar-Elektrizitätsverband (NEV), Kommunen und den Konzernen EnBW und Süwag auf breite Ablehnung stößt. Wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN setzen uns dafür ein, dass die Stadtwerke das Stromnetz betreiben. So wird die Wahrung lokaler Interessen und Einflussmöglichkeiten am besten gesichert, insbesondere in Hinblick auf ökologische und nachhaltige Energiepolitik, die auf erneuerbare Energien setzt – im Gegensatz zu Energie-Riesen, die weiterhin Atomstrom produzieren und verkaufen wollen.
In diesem Sinne hat der Gemeinderat zum Jahresende den Beschluss gefasst. Verbunden damit ist der Auftrag zur Kooperation. Es wird Aufgabe der Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN sein, darauf zu achten, dass diese in der energiepolitischen Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, nicht etwa in Betriebsgemeinschaften mit Großunternehmen der Atomwirtschaft mündet.
Auf den Bezug von Atomstrom zu verzichten und die städtischen Gebäude und Einrichtungen mit 100%-igem Ökostrom zu versorgen – wie von uns beantragt – war die Mehrheit des Gemeinderats nicht bereit. Damit wurde ein wichtiger Schritt hin zur klimaneutralen Kommune unterlassen. Immerhin hat sich Ludwigsburg mit Vorarbeiten zu einem Gesamtenergiekonzept auf den Weg zu größerer Klima-Gerechtigkeit aufgemacht und wurde in mehreren Wettbewerben zu einer von mehreren Modellkommunen ausgewählt.
Um Einnahmen in Form von Gewerbesteuer und Einkommenssteuer-Umlagen zu generieren, ist die Wirtschaftsförderung der Stadt von enormer Bedeutung. Durch Investitionen in die energetische Sanierung, den Bau von Gebäuden oder Infrastruktur wird die örtliche Bauindustrie gefördert. Den industriellen Umbau weg von der Produktion hin zur Dienstleistung begleiten wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN unter dem Aspekt, durch einen guten Mix beider Bereiche Arbeitsplätze zu erhalten und Ressourcen schonende Industrie anzusiedeln. Dabei ist jedes mal aufs Neue das Dilemma zwischen Wirtschaftsförderung und Flächenverbrauch abzuwägen. Erfolgreich haben wir uns dafür eingesetzt, die Ludwigsburger Firma ATEGE mit einem Standortangebot in Ludwigsburg zu halten. Im ursprünglich für diese Ansiedlung vorgesehenen Gewerbegebiet „Hintere Halden“ - das Filetstück Ludwigsburger Gewerbegebiete – konnte wiederum mit unserer Unterstützung eine Firma angesiedelt werden, die produktionsnahe Dienstleistungen anbietet. Hier wird ab 2011 gebaut. Die befürchtete Verkehrsbelastung mit LKW`s wird vergleichsweise gering ausfallen gegenüber der von anderen Fraktionen unterstützten Ansiedlung eines Möbelhändlers oder eines Gartencenters mit entsprechendem Aufkommen an Individualverkehr.
Für den Film- und Medienstandort Ludwigsburg stehen die Ausbildungsstätten „Filmakademie“ und „Akademie für Darstellende Kunst“, deren Absolventen ein hohes Renomme genießen. Leider fehlt es derzeit in Ludwigsburg noch an großen Produktionseinrichtungen.
Nicht nur die Studenten dieses Fachbereiches, für insgesamt fast 7.000 Studierende ist Ludwigsburg Studienort Wir möchten diese jungen Leute für Ludwigsburg begeistern. Dazu muss sich Ludwigsburg zu einer Studentenstadt weiterentwickeln. Wir haben schon lange angeregt, Anreize zu schaffen, damit Studierende Ludwigsburg zu ihrem Erstwohnsitz wählen (was höhere Anteile aus der Schlüsselzuweisung des Landes bewirkt). OB Spec hat immerhin angekündigt, Vertreter der Hochschulen zu einem Runden Tisch einzuladen.
Für das Leben in der Stadt sorgen vor allem die Menschen, die hier einkaufen. Wir, die Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN haben uns für die Stärkung der Innenstadt, gegen die Erweiterung des Breuningerlandes eingesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Wiederbelebung des Marstallcenters gelingen wird.
Der Einzelhandel wird vor allem durch die Bürgerinnen und Bürger gestärkt, die Innenstadt-nah wohnen und zu Fuß, mit Fahrrad oder Bus einkaufen. Dies sollten die Händler mit einem attraktiven Bonus – entsprechend den Boni für Autofahrer – honorieren.
Einnahmen soll der Stadt auch der Tourismus bringen, wofür der Gemeinderat die Erstellung einer Tourismus-Konzeption beschlossen hat. Diese gilt es 2011 zu bewerten und mit vielen kreativen und grünen Ideen zum „Sanften Tourismus“ füllen. Es bedarf grundlegender Überlegungen, wie das bestehende Angebot erweitert und wie hoch überhaupt der Einsatz sein soll, um Ludwigsburg zu einer „Tourismushochburg“ zu machen.
Finanzielle Gerechtigkeit wird dank eines entsprechenden Gerichtsurteils beim Thema Abwassergebühr erreicht. Schon lange hatten wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN die Ungerechtigkeit der pauschalen Gebühr entsprechend des Frischwasserverbrauchs angeprangert. Ab diesem Jahr wird jetzt auch in Ludwigsburg die Größe der bebauten und versiegelten Fläche als Grundlage zur Berechnung der „Gesplittete Abwassergebühr“ berechnet.
Aus dem Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt (BTU)
Geld in die Stadtkasse bringen insbesondere verkaufte Baugrundstücke. Für vernünftig halten wir Bündnis 90 / Die GRÜNEN es, im Bestand nach zu verdichten und ungenutzte Flächen zu bebauen, was auch die vorhandene Infrastruktur besser auslastet. Daher unterstützen wir das Baugebiet „Tammer Feld“ und die Konversionen am Sonnenberg und auf der Hartenecker Höhe. Wir befürworten die Strategie der Stadtverwaltung, Baulücken auszuweisen. Bisher wurden Flächen für künftig nicht mehr notwendige städtische Einrichtungen vorgehalten, z.B. auf der Schanz in Oßweil, in Eglosheim oder Hoheneck. Keine Unterstützung finden aber neue Baugebiete. Es wird neue, teuer zu unterhaltende Infrastruktur geschaffen, obwohl absehbar ist, dass der demographische Wandel auch in Ludwigsburg die Bevölkerungszahlen sinken lassen wird.
Von den Grundstückserlösen fordern wir zumindest Teile in den Erhalt, den Ausbau und die Aufwertung der Grünflächen in Ludwigsburg zu investieren. Ein konkretes Beispiel ist die Bebauung an der Fuchshofstraße zwischen Oststadt und Oßweil, zumal die neue Fernwärmeleitung optimal genutzt werden könnte. Hier fordern wir gleichzeitig die Entwicklung des Stadtparks Ost, für den wir schon in der letzten Gemeinderatsperiode ein stimmiges Konzept vorgelegt haben. Darüber hinaus werden wir uns weiter für einen Grundstücksfonds einsetzen, über den Flächen für die Grünentwicklung gesichert werden können – auch wenn die Mehrheit im Gemeinderat unseren Antrag hierzu abgelehnt hat. Im Ortsverband der Bündnis 90 / Die GRÜNEN haben wir den Grünleitplan als Grundlage langfristiger Planung vorgestellt und über sinnvolle Maßnahmen diskutiert. Die Beratung in den Gremien des Gemeinderates steht immer noch aus. Die Umsetzung dezentraler Grünprojekte zur Naherholung muss unabhängig von Prestigeprojekten am Neckar, für die EU, Bund und Region Geld geben, selbstverständlich sein.
Der Streit um den „Neckar-Beach“, der uns letzten Sommer beschäftigte, zeigt wie hoch das Bedürfnis an Wohnort nahen, attraktiven Erholungsflächen ist. Dabei müssen unterschiedlichste Bedürfnisse gegeneinander abgewogen werden. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Ludwigsburg an einem geeigneten Platz einen Beach erhält.
Auch Luftreinhalteplan und Lärmminderungsplan bleiben bisher Wortungetüme und zahnlose Papiertiger ohne wirkungsvolle Maßnahmen. Der Umweltverbund (Fuß, Rad und Öffentliche) muss endlich „zum Zug“ kommen. Für die Stadtbahn gehen wir davon aus, dass die Kosten-Nutzen-Untersuchung im zweiten Anlauf ein positives Ergebnis bringen wird. Beim Ausbau des Radwegnetzes konnten wir im letzten Jahr immerhin einige wichtige Markierungsarbeiten (z.B. Kreuzung Hohenzollernstraße / Seestraße) erreichen. Insgesamt geht dies aus unserer Sicht zu zögerlich voran. Allerdings ist die Mehrheit des Gemeinderates Autofahrer – unterstützend. Ein Beispiel hierfür ist die Erhöhung des Haushaltsansatzes für die Straßensanierung um eine viertel Million, also 250.000 €. Wir werden darauf achten, dass bei der Auswahl der Sanierungsobjekte die Straßenzüge berücksichtigt werden, die stark von Fußgängern und Radfahrern frequentiert werden.
Dass das Auto in Ludwigsburg hohes Ansehen genießt ist weiterhin auch daran zu bemerken, dass bislang wenig unternommen wird, um die Störung des Radverkehrs durch parkende Autos zu unterbinden. Leere Kassen und leere Parkhäuser führen jetzt dazu, dass ein Konzept zur Bewirtschaftung des Parkraums erarbeitet wird. Unser Ziel ist es, dass im Bereich der Innenstadt alle Parkplätze kostenpflichtig werden, der ruhende Verkehr in Parkhäuser und damit aus dem Stadtbild verschwindet. So wird der Anreiz, mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Innenstadt zu kommen, verstärkt.
Zur Attraktivität des ÖPNV würde auch eine vorrangige Ampelschaltung für Busse beitragen, wofür wir einen Antrag gestellt haben. Nur mit der Bündelung vielfältiger Maßnahmen wird sich das für die Lokale Agenda formulierte Ziel „eine nachhaltige, zukunftsfähige Welt zu gestalten“ erreichen. Wir als Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN erleben die Entscheidungen, die durch die Mehrheit des Gemeinderates getroffen werden, in diesem Sinne nicht als zielführend.
Nicht unumstritten war die Entscheidung, das Gebäude Eberhardstraße 1 zum Städtischen Museum auszubauen. Für das historisch erhaltenswerte Stadtbild ist dies ein besonders wichtiges Bauprojekt, weshalb wir das Vorhaben immer unterstützt haben.
Der würdige Rahmen, den das Museum, jenseits der Enge und Abgeschiedenheit im Kulturzentrum hier bekommt, wird sicherlich Anregung bieten, sich mit der Geschichte der Stadt auseinanderzusetzen: Alltagskultur, Konstanten, Kontinuitäten und Brüche in der Stadtgeschichte, das Spannungsverhältnis zwischen Adels- und Bürgerstadt - hoffen wir im Museum neu entdecken zu können. Wir wünschen uns, dass Kinder und Jugendliche durch ein spannendes und abwechslungsreiches Programm angesprochen werden.
Daneben finden hier auch die Tourist-Information mit Museums-Shop und ein Cafè Raum. Von musealer Vergangenheit bis zur künstlerisch interpretierten Zukunft wird der Bogen gespannt durch die Unterbringung des Städtischen Kunstvereins ebenfalls in diesem Gebäude.So entsteht ein kulturelles Zentrum für die Bürgerinnen und Bürger Ludwigsburgs, aber natürlich auch für Gäste. Es bleibt zu hoffen, dass der Bau ohne große Hindernisse planmäßig vorankommt. Wir, die Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN setzen uns dafür ein, dass die Kosten von 7,7 Mio. Euro nicht überschritten werden.
Ein anderer Umzug ist schon voll im Gange: Unser Städtische Gedächtnis, das Stadtarchiv zieht mit all seinen Dokumenten, Akten, Plänen, Karten und vielem mehr in die neuen Räume Mathildenstr. 21 um. Das neue Archiv kann voraussichtlich ab Sommer 2011 wieder genutzt werden.
Freiwillig spenden die Mitglieder der Fraktion einen Teil ihres Sitzungsgeldes auf das „Förderkonto“. Daraus wurden 2010 unterstützt:
Naturpark West „Brombeergarten“mit 600 Euro
Burkina Faso – Projekt der Stadt Ludwigsburg mit 250 Euro
Förderverein der Friedrich von Keller Schule für den „Aktionstag Jugendförderung“ mit 250 Euro
Die Fraktion Bündnis 90 / Die GRÜNEN im Gemeinderat Ludwigsburg
Markus Gericke / Edith Haberzeth-Grau / Anita Klett-Heuchert / Christian Kopp / Barbara Schüßler / Elfriede Steinwand / Prof. Dr. Michael Vierling
im Januar 2011