01.01.2004 01:00

Jahresrückblick 2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

wir wünschen Ihnen ein glückliches und erfolgreiches Neues Jahr und möchten uns bei Ihnen für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse im letzten Jahr ganz herzlich bedanken.

Im Folgenden erhalten Sie wieder wie gewohnt einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr. Angesichts der Fülle der Themen, die uns beschäftigten, können wir nur einen kleinen Ausschnitt wiedergeben und werden mit diesem Rückblick vermutlich mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Wir sind natürlich gerne zu einem Gespräch bereit um die folgenden und andere Themen, die wir aus Platzgründen gar nicht erst anschneiden können, (z.B. Flakkaserne, Karlshöhe, Hungerberg, Torhäuser, Mobilfunk) zu vertiefen.

Im letzten Jahr hat sich die finanzielle Situation, der man durch die Bildung einer Haushaltstrukturkommission begegnen will, weiter zugespitzt. Die Gemeindefinanzreform hat – dank der Blockade der CDU im Bundesrat – nicht den von uns erhofften Erfolg gebracht. Weil die laufenden Kosten der Verwaltung zu hoch sind, wurden schon im vergangenen Jahr über 3 Mio Euro gekürzt. Zusätzlich zu diesen Kürzungen, die auch im nächsten Jahr beibehalten werden, müssen im Verwaltungshaushalt 3 – 4 Mio Euro eingespart werden. Besonders bitter für uns: gespart wird vor allem an den freiwilligen kommunalen Aufgaben für die wir uns immer stark gemacht haben. Ein anderer Weg wäre, die Einnahmen (Grund– und Gewerbesteuer, Parkgebühren, usw.) zu erhöhen. Bei jeder Diskussion zu Einsparungen oder Erhöhung der Einnahmen muss darauf geachtet werden, dass dies nicht einseitig auf Kosten von Frauen (Gender–Aspekt) und Kindern geschieht. Der Vorschlag von Roland Glasbrenner (FWV), Mütter zur Betreuung in den Kindergärten einzusetzen, geht genau in diese falsche Richtung. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob geheime Sitzungen (um nicht Lobbyisten auf den Plan zu rufen) einer Haushaltsstrukturkommission der richtige Weg zur Sanierung des städt. Haushalts sind oder ob besser die Bürgerschaft wie z.B. beim Bürgerhaushalt in Pleidelsheim (oder Porto Alegre) mit einbezogen werden sollte. Ihre Meinung dazu würde uns interessieren.

Das Jubiläumsprogramm für 2004 steht. Trotz monatelanger Blockade des Kulturamtes

gibt es mit einem Open–Air Konzert der "Ärzte" im Jahnstadion auch einen großen Jugendevent. Eine schlechte Zusammenarbeit gab es mit den Machern der Schloßfestspielen, die kurz vor knapp bekannt gaben, dass es mit der Oper wohl doch nichts wird.

Ende Mai wurde durch eine gemeinsame Erklärung der Stadtverwaltung und des Gemeinderates die lange geführte Diskussion um einen Umbau der Rundsporthalle für den Basketball beendet. Alle angedachten Maßnahmen waren entweder baulich, technisch, finanziell und/oder innerhalb der vorgegebenen Zeitschiene nicht realisierbar. Eine Großsporthalle mit der Beteiligung von Bietigheim und Kornwestheim wurde wieder ins Gespräch gebracht. Die Freien Wähler und OB Spec (Wahlkampf–Versprechen) haben nun forciert, dass eine Marktanalyse durchgeführt wird. Eine erste Betrachtung anderer Hallen zeigte, dass eine Großhalle nicht kostendeckend zu betreiben ist. Unsere Priorität liegt klar beim Schulbedarf, anstatt Hoffnungen zu wecken, die finanziell nicht umzusetzen sind. Die Innenstadt–Sporthalle dagegen unterstützen wir weil sie für den Schulsport unerlässlich ist. Sie scheint finanziert zu sein. Der Realisierungswettbewerb ist abgeschlossen, an den Entwürfen muss noch gearbeitet werden. Der Neubau der Eglosheimer Sporthalle ist dagegen noch nicht finanziert.

In Neckarweihingen konnte dank Sponsorenmitteln eine halbe Schulsozialarbeiterstelle, zunächst für ein Jahr, geschaffen werden. Räumliche Verbesserungen bei der Schulsozialarbeit wird es nur im Bildungszentrum West geben. Schon lange fordern wir eine übersicht über den Raumbedarf an den Schulen. Da wir von den anderen Fraktionen keine Rückendeckung bekommen, sieht die Verwaltung dafür nicht die Dringlichkeit. Die räumlichen Engpässe an einigen Schulen sind auch langfristig gravierend, es fehlen Unterrichtsräume in allen Sparten und Räume für den Ganztagesbetrieb. Wir haben jetzt ein erweitertes Raumkonzept für die Oststadtschule sowie einen Sachstandsbericht über die anderen Schulen beantragt. Gelder für Ganztagesschulen stehen durch ein neues Bundesprogramm zur Verfügung. Die Gebühren für die Kernzeit–Betreuung werden ab 1.1.04 um 7,6 % erhöht – gegen unsere Stimmen. Auf das Ziel einer kinderfreundlichen Politik hin angesprochen, meinte ein CDU–Stadtrat: "Es ist auch nicht kinderfreundlich, wenn beide Eltern arbeiten gehen."

Die Diakonie konnte wegen ausbleibender Landeszuschüsse ihre Migrationsdienste nicht mehr weiterbetreiben, die Stadt kann die Kosten leider nicht übernehmen. Betroffene müssen jetzt die ohnehin schon überlaufenen anderen Beratungsstellen aufsuchen. Das Projekt ASPA (Drogenprävention Schule) kann mit reduziertem städtischen Zuschuss und Vereins– und Sponsorenmittel weitergeführt werden. Das MIKELE–Projekt (Interkulturelle Elternbildung) ist nur noch für 2004 gesichert, eine Fortführung hat für uns höchste Priorität.

Auf dem Gelände des ehemaligen Hans–Klenk–Hauses soll erstmals ein generationenübergreifendes Wohnen verwirklicht werden. Dazu werden jetzt Gespräche mit möglichen Trägern geführt. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die sehr agile Agenda–Gruppe von Anfang an mit einbezogen wird.

Die Sozialhilfe wurde mit den Stimmen der SPD, der CDU und den Freien Wählern an den Landkreis abgegeben. Wir sind bis jetzt nicht davon überzeugt, dass der Landkreis mit weniger Personal die gleichen Aufgaben mit der gleichen Qualität erledigen kann. Gute Arbeit bei den Sozialen Diensten, insbesondere bei "Job Aktiv" wurde durch diesen Beschluss zunichte gemacht.

Der Robinson–Spielplatz wird in diesem Jahr endlich erweitert, Gemeinderat und Verwaltung waren sich einig. Für die Innenstadt prüft die Verwaltung den Bau eines Spielplatzes hinter dem Rathaushof. Dieser Standort wäre toll, da im Bereich Innenstadt eine große Lücke ist.

Neu geschaffene und provisorische Gruppen konnten den akuten Fehlbedarf an Kindergartenplätzen in großen Teilen decken. Um den noch steigenden Bedarf zu decken, werden weitere Gruppen in Eglosheim, in der Oststadt, in Oßweil und Poppenweiler geschaffen. Im Neubau Steinbeisstraße wird die AWO–Kindertagesstätte um eine weitere Kleinkind–Gruppe ergänzt werden. Wir hoffen, dass Planung und Bau nicht wieder dem Bedarf hinterherlaufen. Die Kindergartengebühren wurden gegen unsere Stimmen erhöht. Glücklicherweise hat Bürgermeister Hesky in Wendlingen bereits Erfahrungen mit einkommensabhängigen Gebühren gemacht. So wird die Verwaltung diese Form der Gebühren nach jetzt 9 Jahren (unser damaliger Antrag) nochmal genau prüfen und durchrechnen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Für die Neuanschaffung eines Bücherbusses hat die Stadt bei einem günstigen Angebot schnell zugeschlagen. Da dadurch die Versorgung mit Leihbüchern auch in den Stadtteilen sicher gestellt ist, wird zu Recht hinterfragt, ob dann noch die Zweigstellen der Bibliothek erhalten werden müssen.

Aus dem Wilhelmsbau soll ein Kaufhaus mit Einkaufs–Mall werden. 450 Auto–Abstellplätze sollen auf`s Dach kommen. Doch die Investoren lassen auf sich warten. Schöner wäre ein sanfter Umbau dieses Kulturdenkmals für Wohnungen und evtl. für Büros und Praxen in den Obergeschossen – und für kleine Läden im Erdgeschoss. Der große Innenhof könnte eine gut gestaltete, ruhige Oase in einer bewohnten und belebten Innenstadt sein. Aber die Post–Immobilien–Gesellschaft will und soll den Wilhelmsbau teuer vermarkten. Für sie kommt nur eine große Lösung in Frage. OB Spec hatte das Jahresende 2003 als Zeitpunkt benannt, an dem sich die Post erklären sollte. Jetzt ist dieser Zeitpunkt wieder bis ins Frühjahr verschoben worden.

Die Kreissparkasse will auf dem Schiller–Areal an der Gartenstraße und entlang der Blumenstraße auf 14 000 qm in mehreren drei– bis viergeschossigen Baublöcken Büros errichten und dazu eine zweigeschossige Tiefgarage für 240 PKW. Die alten Gebäude werden bis auf eines abgebrochen. 30 Mietwohnungen wurden gekündigt. Zwar ist die Sanierung dieses innerstädtischen Gebietes grundsätzlich erfreulich. Aber die Verdrängung der Wohnbevölkerung kann nicht befriedigen. Das Bankenviertel wird an den Wochenenden ausgestorben sein. Politiker (auch MP Teufel) betonen zwar in schönen Reden die Notwendigkeit der Förderung von Innerstädtischem Wohnen. Die Wirklichkeit in den Gemeinden sieht anders aus. Unser Antrag, wenigstens die Hälfte der bisherigen Wohnungen an diesem Ort wieder herzustellen, wurde von der Mehrheit aus CDU/FWV/SPD im Gemeinderat abgelehnt. Auch der Bau des großen Parkhauses mit seinem Verkehrsaufkommen ist – so nahe am Bahnhof – schwer nachvollziehbar.

Die traditionsreichen Gebäude der Orgelbau–Firma Walcker werden zur Zeit abgerissen. Die Stadtverwaltung konnte den Eigentümer des Areals, Herrn Fahrion, (FWV–Stadtrat in Stuttgart u. Bauunternehmer) dazu bewegen, die langsam verfallenden Häuser im Blick auf das Schlossjubiläum 2004 zu beseitigen. Neubauten sind derzeit nicht geplant. Es wird wohl wieder ein "provisorischer" Parkplatz werden. Wir beantragen seit Jahren, dass die Stadt das Walckerareal kaufen soll, um dort vernünftig planen zu können.

Die Marienwahl – die nie hätte bebaut werden dürfen – wird jetzt mühsam renaturiert. Das war nur möglich mit Geld, das aus dem Verkauf von einigen Bauplätzen oben an der Wilhelm–Keil–Straße erlöst werden kann. Widerwillig haben wir diesem Deal zugestimmt, weil die Fläche der Bauplätze etwa 10% der alten Marienwahl ausmacht und die Stadt dieses Gelände ohne neues Geld gar nicht hätte zurückerwerben können. Zusätzlich zur Renaturierung entstehen dort jetzt innerstädtische Wohnungen, ohne dass dafür neue Straßen gebaut werden müssen (auch nicht schlecht).

Bebauungspläne auf der Grünen Wiese – da machen alle außer uns mit. Durchschnittlich

 

11 Hektar werden jeden Tag für Siedlungen und Verkehr in Baden–Württemberg verbraucht. In ganz Deutschland sind es täglich 130 Hektar. Ludwigsburg beteiligt sich daran mit den Baugebieten "Wasserfall" (Pflugfelden), "Neckarterrassen" (Neckarweihingen) und "Jahnstraße" (Poppenweiler). Später kommt noch das Harteneckerfeld dazu. Minister Döring (FDP) im Sommer 2003: "Ich fordere alle Planungsträger und Genehmigungsbehörden im Land zu engagiertem Flächensparen auf." Die Wirklichkeit in den Gemeinden sieht auch hier anders aus: Damit wird – wie seit 50 Jahren – nicht nur die Stadtflucht (s. unter Wilhelmsbau und Kreissparkasse), sondern auch das Wohnen in der Pampa gefördert. Mit allen Konsequenzen wie z.B. steigendem Verkehrsaufkommen.

Wir haben der Kooperation der Stadtwerke Ludwigsburg mit der EnBW zugestimmt, weil nur durch diesem Schritt die Stadtwerke ins Stromgeschäft einsteigen können. Es war uns immer ein Anliegen, dass die Stadt das Stromnetz erwirbt um politisch auf das Stromgeschäft einwirken zu können. Das ist mit einem 65%igen Anteil der Stadtwerke bei der künftigen Gesellschaft gewährleistet.

Bei der Nahversorgung in den Stadtteilen ist keine Besserung in Sicht. Die Stadt hat hier – nach begangenen Planungssünden in der Vergangenheit – nur noch wenig Einfluss. Das Verbraucherverhalten verstärkt die Tendenz zu großflächigem Einzelhandel, wodurch sich die kleinen Läden in den Stadtteilen nicht mehr lohnen.

Die Parkierungsgesellschaft (PAG) stolperte von einem Skandal in den nächsten. Kostenloses Parken ist für gewisse Leute offensichtlich immer noch ein Kavaliersdelikt. Nicht nur Millionen öffentliche Gelder fließen in die Schaffung und den Unterhalt der Parkierungsanlagen (z.B. Rathaushoftiefgarage). Die Verluste der PAG werden auch mit den Gewinnen der Stadtwerke ausgeglichen. Das heißt: jeder zahlt für die Parkierung – auch BusfahrerInnen, RadfahrerInnen, FußgängerInnen, die diese Parkierung nicht in Anspruch nehmen. Wir meinen deshalb, dass die Kosten für die Bereitstellung von Parkplätzen durch die NutzerInnen finanziert werden sollte. Kostenlose öffentliche Parkplätze auf der einen Seite – kein Geld für die dringendsten Sanierungsmaßnahmen an Schulen: wir stellen uns die Verteilung öffentlicher Gelder anders vor.

Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf der Neckarwerkeaktien wurde in einem Sonderfond für den Tunnel unter der B 27 in Eglosheim zurückgehalten, der Antrag auf Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) beim Land gestellt. Wir haben zugestimmt, weil damit unsere (zweispurige) Variante des Tunnels mit einer Stadtbahn ins Tammerfeld noch nicht aus dem Rennen ist. Allerdings sieht es jetzt so aus, als würde diese Reserve zur Haushaltskonsolidierung angezapft. Immerhin hat die Finanzmisere den Vorteil, dass die zahlreichen Straßenbauwünsche der großen Fraktionen in absehbarer Zeit nicht umsetzbar sind. Um dem steigenden Mobilitätsbedarf dennoch zu begegnen, werden sich auch diese Betonfraktionen irgendwann unseren Vorschlägen zu einer umweltfreundlichen Mobilität öffnen müssen.

Der interkommunale Verkehrsausschuss zeigt erste Ergebnisse. Kornwestheim hat einer Lösung zur Verlängerung der Eisenbahnstraße – wie von uns schon lange vorgeschlagen –zugestimmt. Das heißt, dass der Ausbau des GDF–Knotens vom Tisch ist. Probleme gibt es mit Freiberg, wo eine Bürgerinitiative hartnäckig einen großen Ring fordert, der die Untertunnelung des Favoriteparks voraussetzt. Möglingen zeigt sich bzgl. einer Reaktivierung der Bahnlinie nach Markgröningen gesprächsbereit. Hier müssen Kreis und Kommunen jetzt schnell handeln: die DB Netz–AG hat die Strecke zur Abgabe ausgeschrieben um ein Stilllegungsverfahren einzuleiten. Danach wäre eine Wiederinbetriebnahme auf den St–Nimmerleins–Tag verschoben. Unsere Nachfrage bei Kreis und Stadt hat ergeben, dass möglicherweise ein Zweckverband zwischen dem Landkreis und den drei Kommunen die Strecke übernehmen könnte.

Die im letzten Jahresrückblick angekündigten zwei Fahrkartenautomaten in der Wilhelmstraße, die auf unseren Antrag hin zugesagt waren, lassen weiter auf sich warten. Es ist der Stadt noch nicht gelungen, mit der DB AG einen Kauf– bzw. Wartungsvertrag abzuschließen. Wir bleiben dran.

Kinder spielen bei der Verkehrsplanung leider noch immer keine Rolle. Auf unseren Antrag "Kinderwege" (vom September 2000!) haben wir noch immer keine Antwort. Mit einem Rätselspiel "Kinder in der Stadt" haben wir beim Aktionstag zum Weltkindertag auf dieses Thema aufmerksam gemacht.

Der lange Weg zum Ludwigsburger Fuß– und Radwegenetz war das Thema unserer "Tour de Städtle 2003". Immerhin hat sich die Radwegekommission (nach drei Jahren!) wieder mal getroffen. Angekündigt wurde der Bau der Fuß– und Radwegebrücke von der Eisenbahn in die Richard–Wagner–Straße. Die private Finanzierung wurde mit dem städtebaulichen Vertrag zur Erschließung des Ortsgüterbahnhof gesichert. Wir legen Wert darauf, dass die Stadt dann endlich auch für eine legale Verbindung von der Südstadt in die Innenstadt sorgt. In Aussicht gestellt wurden Fahrradboxen am Bahnhof (eine Box kostet ca. 800 Euro). Dafür gibt es auch Zuschüsse vom Land. Einen Teil müsste die Stadt aber selbst finanzieren. Grund genug für die Stadträte Gerstenlauer (CDU) und Köngeter (FWV) für ihre Fraktionen (die 25 Millionen DM ohne mit der Wimper zu zucken in der Rathaushoftiefgarage vergraben haben) schon mal das Veto anzukündigen.

Der magere Erfolg unseres jahrelangen Kampfes zur öffnung von Einbahnstraßen für FahrradfahrerInnen (nach der StVO seit 1997 zulässig): aus dem Schulviertel darf jetzt legal bis zur Mathildenstraße gefahren werden. Aber schon dieser kleine Erfolg verursacht Herrn Köngeter "Magenkrämpfe", die uns zwar nicht erschüttern aber doch deren Einstellung deutlich machen und zeigen wie mühsam schon solch kleine Fortschritte erkämpft werden müssen. Ankündigen möchten wir schon jetzt den Termin für die "Tour de Städtle 2004" am 18. September unter dem Motto "300 Jahre Ludwigsburg". Start ist um 11 Uhr beim Forum.

Wegen der ungerechten Abwassergebühr nach dem Frischwasserbezug hat jetzt eine Ludwigsburger Familie Widerspruch eingelegt. Wir unterstützen natürlich die Forderung nach einer gesplitteten Abwassergebühr und sind auf das Ergebnis gespannt. Bei einer gesplitteten Gebühr wird auch die Menge des von versiegelten Flächen in die Kanalisation eingeleiteten Niederschlagswassers in Rechnung gestellt. Die Abwassergebühr summiert sich dann aus der Gebühr für Schmutzwasser und Regenwasser. Das bedeutet, dass vor allem große Familien, die einen hohen Wasserverbrauch haben, die Abwassergebühr für Firmen, die mit Parkplätzen eine große versiegelte Fläche haben, aber wenig Frischwasser verbrauchen, mitfinanzieren. Auch das Bundesverwaltungsgericht hat diese Gebührenungerechtigkeit bemängelt und Klägern gegen die einheitliche Abwassergebühr Recht gegeben.

Eine Studie zur Bevölkerungsentwicklung Ludwigsburgs hat für die nächsten 5–10 Jahre noch einen leichten Anstieg der Kinderzahlen ergeben. Danach jedoch wird auch in "jungen" Stadteilen mit großen neuen Baugebieten nur noch die Zahl der älteren in der Bevölkerung kontinuierlich steigen. Dieser Entwicklung sollten Stadtverwaltung und Politik künftig noch mehr Rechnung tragen, indem die soziale Infrastruktur nachhaltiger geplant wird. Beispielsweise sollten Schul– und Kindergarten–Räumlichkeiten multifunktional umnutzbar sein, Einkaufsversorgung und kulturelle Angebote kleinräumiger und flächendeckend sichergestellt sein.

ändern tun sich auch Strukturen in Vereinen und bei Ehrenämtern wie z.B. der Freiwilligen Feuerwehr. Diese öffnet sich – nicht zuletzt mangels männlicher Masse – zunehmend für Frauen. In Pflugfelden wurde das Feuerwehrhaus im vergangenen Jahr schon dahingehend umgebaut und Toiletten und Umkleidemöglichkeiten für Frauen eingerichtet. Im Text der Feuerwehrsatzung hat sich diese Entwicklung ebenso niedergeschlagen (Zitat:"Eventuellen Benachteiligungen von Frauen ist entgegenzuwirken."), wodurch sich einige Ratskollegen der Freien Wähler auf den Schlips getreten fühlten. Merke: das pawlowsche FWV–"Hündchen" kläfft halt laut, sobald es was von Frauengleichberechtigung hört, statt freundlich winselnd die Mithilfe durch neue Löschkolleginnen zu begrüßen. Versteh' einer die FWV!

Gekläfft haben einige Stadträte und Aufsichtsratsmitglieder der LuSt ob der bürgermeisterlichen Zensur einiger problematischer Fotos für die Jubiläumswerbung für 2004. Zwischen frivol–frechen Künstlerfotos und peinlich–anzüglichen Nacktheiten klafften die Geschmäcker der geneigten PolitikerInnen ziemlich auseinander. Schwierige Themen könnte man ja sachlich überlegt und ruhig diskutieren. In Ludwigsburg dominiert im Stadtrat jedoch die Schwäche für eingeschnapptes Beleidigt–Sein. Dieser Umstand wird die Diskussion darüber, ob die LuSt künftig unabhängig weiter existieren soll oder aus Spargründen wieder zurück ins Glied der Verwaltung zitiert wird nicht gerade erleichtern.

Anlässlich einer Rollstuhlrallye im Sommer konnten wir uns am eigenen Leibe von den Widrigkeiten hoppeligen Straßenpflasters überzeugen. Unser daraufhin gestellter Antrag, künftig mehr die Belange von Behinderten bei Planungen der Stadtgestaltung zu berücksichtigen, stieß in der Stadtverwaltung schon auf offene Ohren.

Nach der Neugestaltung der Fußgängerzone in der Oberen Kirchstraße (trotz klammer Stadtfinanzen) hoffen wir, dass diese Maßnahme den innerstädtischen Einzelhandel unterstützt und die Händler etwas weniger Jammern und mehr Geschlossenheit als bisher zeigen.

Die alljährlich vor Weihnachten stattfindende Feldwegekomission (ja, auch das gibt es!) ermöglicht uns, bei Gerstenlauerschem Christstollen Tuchfühlung mit Ludwigsburger Landwirten zu pflegen und dem Schreckbild der grünen ChaotInnen entgegenzuwirken. So nebenbei hat die Instandhaltung von Feldwegen ja nicht nur für die Fahrzeuge der Bauern, sondern auch für Radler, Inliner und sonstige Roller Vorteile.

Zwei neue Gesichter prägen seit dem Sommer Ludwigsburgs Politikerhimmel:

Andreas Hesky, Erster Bürgermeister und zuständig für Soziales und Kultur. Ein jungenhafter Dynamiker, der vorbehaltlos Vieles umkrempelt und oft unkonventionelle, praktikable Lösungen parat hat. Den Lieblingssatz seines Vorgängers Wurster – "Das nehmen wir in die nächste Sitzung mit!" – wird man von Hesky kaum hören....was hoffentlich auch so bleiben möge!

Werner Spec, Oberbürgermeister, lächelt oft und gerne. Einen querschießenden, renitenten Gemeinderat kann ein OB womöglich am ehesten mit freundlicher, alle einvernehmlich einbeziehender Diplomatie befrieden. Während dann die Fraktionschefs mit dem Schlotzen der Zuckerle beschäftigt sind, kann der Rathauschef in Ruhe die wichtigen Entscheidungen treffen und endlich arbeiten. Gar nicht so dumm, diese Strategie.

Mit dem Geld auf unserem Förderkonto, das aus Teilen unserer Sitzungsgelder gespeist wird, konnten wir im vergangenen Jahr bei der Einrichtung einer Werkstatt für Kinder im übergangswohnheim behilflich sein, der Frauengruppe "Ariadna" aus unserer Partnerstadt Jevpatoria (Ukraine) zu einem Besuch in Ludwigsburg verhelfen, die Schulhofumgestaltung der Pestalozzischule unterstützen und die Biorga–Bauern in Brasilien im Kampf gegen genmanipuliertes Saatgut stärken.

Gespannt sind wir, welche Ergebnisse uns das Wahljahr 2004 bringt. Die Nominierung der KandidatInnen für die Listen zur Gemeinderats– und Kreistagswahl findet am 2. Februar um 20 Uhr im Kreisbüro (im Uhland) statt. Wer uns mit seinem Namen auf der Liste unterstützen will, ist herzlich willkommen. Natürlich wünschen wir uns, dass wir aus der Wahl gestärkt hervorgehen. Unser Ziel ist, wieder (wie von 1994 – 99) 6 Sitze zu erringen und wir würden uns über Ihre Unterstützung dabei (aktiv, finanziell und ideell) im Wahlkampf sehr freuen.

Kommunalpolitisch interessierten empfehlen wir den "Grünspiegel", das Infoblatt des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. Einfach Email an kv.ludwigsburg@gruene.de oder Fax an 07141/905194. über konstruktive Kritik, Anregungen und Rückmeldungen zu diesem Rückblick und überhaupt freuen wir uns sehr. Mehr über uns erfahren Sie auch im Internet unter gr-fraktion.gruene-ludwigsburg.de. Dort gibt es weitere interessante Links zu kommunalen und ökologischen Themen.

 

Herzlichen Gruß

Susanne Leidenroth
Monika Schittenhelm
Klaus Hoffmann
Roswitha Matschiner